Bauernhöfe in der Bretagne
Bei einer gegenwärtig im Fernsehen laufenden
Serie über Auswanderer fällt auf, dass viele, besonders jüngere Menschen
unter geradezu haarsträubenden Bedingungen ihr Glück in der Fremde suchen.
Da werden schon mal die Eltern angepumpt um ein
Aussteigerleben im Süden zu führen. Das ganze notdürftig kaschiert mit der
Idee einen Campingplatz zu eröffnen. Ein Anderer zieht nach
Thailand ab um dort das Glück zu suchen, mit 2 000 Euro "Reserve". Eine
Summe die bereits durch die erste Miete und einen Gebrauchtwagen verbraucht
ist.
Berufe werden aufgegeben für "neue Ideen" in
einem fernen Land und mit Kind und Kegel die große Reise angetreten.
Neuseeland, bekannt für seine restriktive Einwanderungspolitik, ist besonders
beliebt. Aber schon nach wenigen Wochen wird klar, dass ein erheblicher
Unterschied zwischen Urlaub und längerfristigem Aufenthalt besteht.
Hier in der Bretagne habe ich einige "Totalabstürze"
direkt miterlebt. Gerade Engländer strömen ein großer Zahl ins Land,
angelockt durch scheinbar billige Immobilien. Keiner fragt sich, warum ein Bauernhof in der
Bretagne um die Hälfte billiger ist als in Deutschland oder England.
Wer dann auf seinem 60 ha Refugium sitzt und so
langsam begreift, dass seine 4 Vorgänger möglicherweise deshalb scheiterten,
weil der Boden vollkommen ausgeapert ist, der kann nur noch hoffen, dass es
ihm gelingt den schwarzen Peter an den nächsten Enthusiasten weiter zu
reichen.
Die scheinbare Goldgrube "Ferienhaus" (Gite)
entpuppt sich oft auch als Reinfall, da viele Objekte zunächst renoviert
werden müssen. Wer sich die Mühe macht die tatsächliche Verzinsung seines
eingesetzten Kapitals zu berechnen, wird häufig feststellen, dass er genau
genommen sogar zu zahlt.
Ein Bauernhof, ein Gestüt, eine Fischzucht oder
eine Geflügelfarm sollte nur der betreiben, der über wirklich profunde
Kenntnisse verfügt. Die Probleme mit der Sprache und der Administration sind
jedenfalls völlig ausreichend. Da sollten keinesfalls auch noch größere Probleme mit
dem Hof oder der Tierzucht auftreten.
Quitte
"Er hatte mir Erdbeeren zu Weihnachten versprochen!" war
der Satz, mit dem die Ehefrau eines Aussteigers ihre Empörung ausdrückte und
die Situation treffend charakterisierte. Aus den selbst gezüchteten
Erdbeeren zu Weihnachten wurden Quitten. Die ursprünglich hohen ethischen
Ansprüche an den biologischen - ökologischen Landbau mussten der harten
Realität weichen. Um zu Überleben wurde ein gesunder Pragmatismus
entwickelt. Letztendlich konnte sich die Familie über Wasser halten, aber
erst nach
einem Jahrzehnt harter Arbeit einen relativen Wohlstand genießen.